Denim gehört zu Rock and Roll wie Max zu Moritz oder Pumpkin zu Halloween oder wie weiße Reifen zu deinem Rocket V8....
Auf jeden Look, egal ob „Worker“-Look der Dreißiger, Swinglook, WWII-Look der Vierziger oder Rockabilly-Look aus der Mitte der Fünfzigerjahre, ist der passende Jeanstyp „zugeschnitten“, und jeder Hapcat kann jetzt aus vielen Marken und Repro-Typen wählen. Erst aber in den letzten 10-15 Jahren erleben wir den richtigen Boom – alle Hersteller produzieren plötzlich Vintage-Jeans mit Selvedge, Schnallen und anderen erfreulichen Details. Auch bei H&M findet man inzwischen Jeans im Denim-Stil der Mitte des vorigen Jahrhunderts! Originale von Levi's oder Lee kosten heute schon einen Haufen Geld und von daher ist es nur gut, dass man sich auch Repro-Stücke zu vernünftigen Preisen anschaffen kann. Mit der Herstellung der ersten Repro-Jeans begann man, welch eine Überraschung, im Japan der ausgehenden Achtzigerjahre. Es waren die bis heute bestehenden Marken Evisu und Sugar Cane. Mit der ersten Rockabilly Welle nach 1980 wuchs die Nachfrage nach origineller Kleidung im Stil der Fünfziger. In Amerika wurden die praktisch kostenlos verteilt, dagegen in Europa und Japan mit 200% Preismarge. Der Denim-Preis begann bald zu steigen, und die extrem anspruchsvollen japanischen Kunden gaben sich mit Erzeugnissen einheimischer Firmen wie Evisu, Cheswick, Sugar Cane oder Style Eyes zufrieden. Die japanische Bestrebung, das Original zu übertrumpfen, leitete die Vintage-Denim-Welle ein. Es ist kein Zufall, dass die japanische Abzweigung “LVC Japan” bereits fünf Jahre vor der weltweiten Marktexpansion von Levi's tätig war.
Der Zirkus rund um SELVEDGE
Fast alle ursprünglichen Denim-Erzeugnisse waren sogenannter Selvedge-Denim (manchmal auch „Selvage“ geschrieben). Die Selvedge aus gefärbten Fäden wurde auf Schützenwebstühlen gefertigt. Ab Mitte der Sechzigerjahre wurden diese traditionellen Webstühle, angesichts der Massenproduktion von „gewöhnlichen“ Jeans, nach und nach abgeschafft. Die Japaner haben diese Maschinen damals clevererweise abgekauft. Bald setzte sich die präzise japanische Arbeit konkurrenzlos durch. Selvedge-Denim steht zweifelsohne für die edelste Jeans-Ware. Dieser Denim zeichnet sich dadurch aus, dass er meist auf klassischen Webstuhltypen gefertigt wird und deshalb saubere Webkanten hat, die nicht ausfransen. Die Selvedge-Kanten befinden sich meistens auf der rechten Seite der Jeans und sind beim Aufschürzen gut sichtbar. Die Kante wird normalerweise mit farbigem Faden fixiert – dadurch ergibt sich z.B. der Redline-Selvedge von Levi's. Ich will niemanden mit unzähligen Details belasten… überzeugt euch einfach in Praxis. Selvedge Denim ist Synonym der besten Qualität, hält länger und hat in der Regel auch bessere Optik. Zu empfehlen ist Raw oder Dry Denim, also ungewaschen. Das Waschen des Denims wäre ein Thema für sich :-))))
VINTAGE DENIM
Ganz nebenbei über Vintage Denim und wie dieser zu erkennen ist: Wenn ihr auf der Suche nach dem Denim-Original seid, könnt ihr zwischen diesen bekanntesten drei Marken wählen: Levi's, Lee und Wrangler. Auf eBay trifft man manchmal auf weniger hochwertige Ware, wie etwa Sears, an den Großen Drei kommt man aber wohl nicht umhin.
LEVI'S
Viele Fans von Vintage Denim werden mir sicherlich zustimmen: Levi's verkörpert die Jeans schlechthin. Die durch den bayrischen Zuwanderer Levi Strauss gegründete Marke ist aus der Jeans-Welt nicht wegzudenken. Die Original-Levi's aus den Vierziger und Fünfzigerjahren zeichnen sich durch dunkles Indigo-Blau aus, das mit der Zeit die typische körnige, streifenartige Patina entwickelt, da ein aus Kohlenteer gewonnener Farbstoff verwendet wird (Farbstoff pflanzlichen Ursprungs kam erst in den Sechzigern).
Magische Wirkung auf alle Levi's-Fans haben die Begriffe “big E” oder “capital E”. Woran liegt's? Auf dem roten Aufnäher auf der Rückseite der Jeans befand sich bis 1982 ein Majuskel-E, also LEvi's – im Unterschied zum heutigen Levi's. Bei Levi's Jeans mit großem E und Selvedge handelt es also um einen vor 1982 gefertigten Denim.
Seit Beginn der Neunzigerjahre ist eine neue Unternehmenssparte aktiv, und zwar LVC Levis Vintage Collection), die mit perfekter Genauigkeit die archivalischen Levi's-Modelle reproduziert.
Der Jeans-Stoff wurde hier anfangs auf den altüberlieferten Webstühlen aus der Valencia Street gefertigt, und die ersten Serien entsprechen somit den Originalen aus den Vierziger und Fünfzigerjahren am Meisten. Da man nach etwa fünf Jahren zu modernen Maschinen überging, haben diese ersten Serien umso größeren Sammelwert. Leider sind wir aber auch bei LVC neulich Zeugen einer Qualitätsverschlechterung, wobei auch der Denim an Güte einbüßt. Im LVC-Sortiment trifft man auf super breite 201xx aus 1929 (auch mit Hosenträgerknöpfen, Schnalle und dem sog. Oil Cloth Patch – einem weißen Textilschild) oder auf das etwas engere Schleifenmodell 1933 mit Schnalle (zum ersten Mal mit einer 501xx-Markierung). Weiter geht es nochmals mit einer engen Wildwest-Version 1937 (aber schon ohne Hosenträgerknöpfe) und mit der WWII-Version 1944 (aus Spargründen war der fixierende Faden an den Taschen nur gemalt!). Es folgte die vermutlich engste Version aus dem Jahr 1947 (diese Jeans ist fast unmöglich eng und auch sonst irgendwie seltsam). Und da kommt man schon zu der Rock'n'Roll-Version 1955, eine recht komfortable Jeans, die Taille immer noch zu hoch gesetzt und natürlich Redline Selvedge… wahrscheinlich die am meisten getragene Jeans der ganzen Rock'n'Roll-Epoche....
LEE
Levi's mag die Nummer 1 sein, aber was trägt Jimmy Dean in „Rebel Without a Cause“? Jawohl, die rote Baracuta und…? Lee 101B! Die 1889 durch Henry David Lee gegründete Firma Lee wurde größter US-Hersteller von Arbeitskleidung. Ihr Maskottchen, die „Buddy Lee“ genannte Puppe, wurde Lieblingsspielzeug der Dreißigerjahre.
Die Eisenbahner-Arbeitskleidung aus den Zwanzigern gehört heute zur absoluten Klassikware der amerikanischen Golden Era. Lee kam mit einigen Verbesserungen, z.B. Jeans mit Reißverschluss am Ende der Zwanziger (bei Lee stets mit einem Z bei der Modellnummer) oder einseitiger Selvedge-Kante. In den Dreißigerjahren wurde das Cowboy-Modell 101B Hair on Hide sehr populär, dessen Lee-Markenschild aus echter Kuhhaut gefertigt ist. Kein Wunder, dass dies eines der ersten Modelle war, die Lee Japan mit unglaublicher Präzision nachmachte...
Dieses schöne Modell mit Schnalle und einseitiger Selvedge-Kante wurde bald durch Lee Europe nachgeahmt, aber der verwendete Jeans-Stoff konnte sich in Sachen Qualität nicht messen.
In den Fünfzigerjahren produzierte Lee zwei populäre Modelle 101B und 101Z – jeweils identisch, Z allerdings mit Reißverschluss und B mit Knöpfen. Die Lee-Jeans war in den Fünfzigern stets etwas billiger als Levi's und deren Popularität stieg, nachdem sie James Dean in seinem bekanntesten Film getragen hatte. Der im Originaltitel „Rebel Without a Cause“ heißende Film wurde 1955, an der Schwelle zur Rock'n'Roll-Ära aufgeführt.Wie erkennt man echte Lee-Jeans? Selvedge ist bei Lee seit Mitte der Sechzigerjahre nicht mehr im Einsatz. Die vor 1961/62 gefertigte Ware hat hinten, auf einem braunen Schild den Schriftzug „Lee“, erst später mit „R“ oder „MR“ ergänzt. Und wenn das Schild nicht da ist, zeugt der weiße Stoff im Inneren der Gesäßtaschen davon, dass es sich trotzdem um alte gute Lee-Jeans handelt.
Lee Europe kam vor Jahren mit einer Repro-Kollektion der 101-Modelle. Die Repro-Exemplare waren wesentlich billiger als beispielsweise die LVC-Reihe und waren umgehend ausverkauft. In letzten drei Jahren werden die Modelle ziemlich durcheinander gebracht – darunter Jeans mit Schnalle und Selvedge, aber auch recht bizarre Hüfthosen.
Lee Japan setzt auch weiterhin auf die ikonische Ausstrahlung des James Dean, für die neue Repro-Kollektion „Legend“ erwarb man Deans Namensrechte und die Urheberrechte für die Fotos aus dem berühmten Film.
Wenn du Selvedge Lee Jeans zu vernünftigem Preis haben willst, versuch es bei eBay. Nach Eingabe des Suchbegriffs „101b“ oder „101 b“, wirst du mit einiger Wahrscheinlichkeit fündig werden.
WRANGLER
Unter den drei berühmtesten Jeans-Marken ist Wrangler am wenigsten beliebt. Die Marke hieß ursprünglich Blue Bell und erst Anfang der Vierzigerjahre wurde sie durch Wrangler gekauft.
1936 führte Blue Bell als Erster in den Markt einen neuen Jeans-Stoff ein, der beim Waschen nicht einging („sanforized“). Bereits unter dem Namen Wrangler stellte die Firma einen aus Polen stammenden Schneider ein (Bernard Lichtenstein, später „Rodeo Ben“), der eine neue Kollektion von Rodeo-Bekleidung entwerfen sollte. 1947 wurde in den Markt der neue Jeans-Typ 11MWZ eingeführt, der bis heute hergestellt wird. Die meisten Wrangler-Jeans hatten keine Selvedge-Kante, trotzdem sind sie keine schlechte Wahl. Wrangler war lange Zeit eine konservative Marke, deren Kunden aus dem Rodeo-Milieu kamen und keinen Sinn für Veränderungen hatten. Mitte der Neunziger entschied sich Wrangler dennoch, eine Repro-Kollektion von Jeans und Jacken vorzustellen – so entstanden die Modelle 11MW, 11MZW und später auch das weitere Wildwest-Modell 12MW(Z). Alle diese Modelle sind eng geschnitten und verfügen über eine niedrig gesetzte Cowboy-Taille.
Die Wrangler-Originale hatten auf einem ledernen, hinten angebrachten Schild das Emblem „Blue Bell – Blaue Glocke“ oberhalb des Schriftzuges „Wrangler“. Falls das Lederschild fehlt, findet man in der Hose ein weißes Textilschildchen, ebenfalls mit einer blauen Glocke oberhalb des Wrangler-Schriftzuges. Originelle Wrangler-Jeans sind nicht billiger als etwa die Levi's, und zwar auch als Repro-Version nicht. In England kostet euch eine „neue“ 11MW-Reihe so an die 100 Pfund.
Ich persönlich habe eine Vorliebe für Wrangler-Jacken, aber das ist ein Thema für sich.











